Warum so unfair, liebe Modeindustrie? – Meine Gedanken zu Fast Fashion und Nachhaltigkeit

Ich liebe Mode. Ich liebe, es nach Herzenslaune shoppen zu gehen, Schnäppchen zu machen und neue stylische Outfits zusammenzustellen. Ich liebe es Fashion Weeks zu besuchen, neue Kollektionen von verschiedenen Designern zu erleben und wenn ich ehrlich bin, lässt eine bis zum Rand vollgepackte Goodie bag mein Herz um Einiges höherschlagen! Aber schon seit Längerem hat das alles für mich einen bitteren Beigeschmack bekommen und ich befinde mich gedanklich in einer Zwickmühle. 

Mode ist meine Leidenschaft und ich habe das Verlangen danach, mich modisch vielfältig zu kleiden, mir hin und wieder neue Teile zu kaufen und auch mal den ein oder anderen Trend mitzumachen. In den letzten Monaten aber macht sich in mir mehr und mehr ein schlechtes Gewissen breit. Wie oft passiert es, dass wir ein Kleidungsstück kaufen, das nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, weil es die Jeans aus dem letzten Jahr eigentlich auch noch getan hätte. Wie oft passiert es, dass wir Schnäppchen mitnehmen, weil man sie gut gebrauchen könnte und sie preislich ansprechend sind? Während ich in vielen Bereichen schon seit Langem auf Umweltfreundlichkeit, Fair Trade und Tierfreundlichkeit achte, fühle ich mich in Sachen Mode oft einfach machtlos und verdränge das, was eigentlich bereits seit Langem allseits bekannt ist: die Modebranche ist unfair! Sie ist gewaltsam, umweltschädlich und tausende Menschen sowie Tiere leiden unter ihr! Kann man das einfach ignorieren? Kann man das alles verdrängen, ganz nach dem Motto: Ich kann daran eh nichts ändern? Ich finde dieses Thema super schwierig und manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Gedanken und Meinungen dazu täglich mehrmals die Richtung ändern. Wie kann ich mit meinem Verhalten etwas verändern? Was bin bereit dafür zu tun und was steht in meinen finanziellen und persönlichen Möglichkeiten? Ist es überhaupt meine Aufgabe dagegen vorzugehen oder ist dies eine Sache der Politik, die mit Gesetzen für eine faire Produktion der Kleidung sorgen müsste?

Ich werde nicht von heute auf morgen mein Leben auf Links ziehen, alles anders machen und nach 5 Wochen aufgeben, weil es nicht zu schaffen ist. Genauso kann ich aber nicht so weitermachen, wie bisher. Ich möchte mit Kleinigkeiten anfangen, die nach und nach in die Routine übergehen und vor allem möchte ich dranbleiben. Ich möchte mich informieren und mir immer wieder bewusst machen, wie die Realität aussieht. Denn es sind nicht nur die radikalen Veränderungen, die etwas bewirken. Auch Kleinigkeiten sind ein Schritt in die richtige Richtung. Als Student ist das mit der Nachhaltigkeit in der Modebranche natürlich nicht ganz so einfach, denn fair produzierte Mode hat ihren Preis – selbstverständlich, denn immerhin sollen alle ein Stück des Kuchens abbekommen und fair bezahlt werden. Auch wenn man aktuell hin und wieder den Eindruck hat, bei Nachhaltigkeit handele es sich um eine Trenderscheinung, macht Slow Fashion einen schwindend geringen Anteil des Marktes aus. Aber auch für das kleine Portemonnaie ist es möglich, seine Liebe zur Mode mit einem besseren Gewissen auszuleben. Bei mir ist dies ein langwieriger Prozess und ich muss noch sehr viel dazulernen. Was ich jedoch schon gelernt habe, ist sich genau zu informieren und Angaben zu hinterfragen. Man muss seinen eigenen Weg finden, wie man sich verhalten möchte. In allen Bereichen zu 100% korrekt und nachhaltig zu leben, schafft dabei glaube ich niemand, aber das Problem einfach von sich wegzuschieben und zu verdrängen, ist meiner Meinung nach keine Option.

Sehr empfehlenswert ist übrigens die Dokumentation „The true cost“, die gerade auf Netflix verfügbar ist und einen realistischen Einblick in die Fashion Industrie liefert. Hier wird deutlich, welche Auswirkungen unser Konsumverhalten an anderen Orten der Welt auf Mensch und Umwelt hat.

4 Kommentare zu „Warum so unfair, liebe Modeindustrie? – Meine Gedanken zu Fast Fashion und Nachhaltigkeit

  1. Ein sehr schöner Beitrag und mir geht es ganz ähnlich wie dir. Ich möchte nicht auf meine Liebe zur Mode verzichten, aber gleichzeitig ist man da in einer Zwickmühle. Ich versuche mich einfach vor jedem Kauf zu Fragen, ob ich das Teil wirklich brauche und verkaufe Kleidung, die ich nicht mehr trage ich Internet weiter.
    Liebe Grüße
    Sarah

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