Influencer – über Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung und warum das alle uncool finden.

Sowohl in meinem Freundes- und Bekanntenkreis als auch in den Medien höre ich immer mal wieder Kritik an der Social Media Kultur, den Pseudo-Influencern oder der Selbstvermarktung über Soziale Medien. Manchmal weiß ich nicht, ob ich mich davon angesprochen fühlen, dagegen argumentieren oder einfach selber mit-haten soll. Ich würde mich, mit meinen lächerlichen 400 Followern auf Instagram und den unwesentlichen Lesezahlen meines Blogs, niemals als Influencer bezeichnen. Auch finde ich es schwierig, sich als Blogger zu betiteln, wenn man sich quasi selber dazu ernennen muss, weil es keine anerkannte Berufsbezeichnung gibt, diese Tätigkeit aber trotzdem von vielen Menschen beruflich ausgeübt wird. Ich würde es in meinem Fall eher als ein Hobby bezeichnen. Aber auch, wenn genau das wahrscheinlich immer bleiben wird, schreibe ich nun mal einen Blog und nutze Instagram um meine Fotos zu veröffentlichen. Und ich habe keine Lust, das Gefühl zu haben, dass es mir unangenehm sein muss. Es nervt mich, als naiv abgestempelt oder in eine Schublade gesteckt zu werden, weil ich gerne über das ach so oberflächliche Thema „Mode“ schreiben. Weil es mir Spaß macht, Fashionevents zu besuchen, Fotos zu machen, sie zu bearbeiten und zu posten. Und ich fühle mich von solchen Kommentaren auch nicht angesprochen, weil ich genau weiß, aus welcher Intention meine Aktivität in sozialen Netzwerken stammt. Natürlich gibt es Kanäle, wo auch ich mich frage, wer sowas sehen will. Wo auch ich mich frage, ob die Welt den 100.000. Kanal braucht, auf dem die samt-blaue Gucci Handtasche in die Kamera gehalten wird. Aber eigentlich ist ja gerade das die coole Eigenschaft an sozialen Medien: Jeder kann seinen Kanal so gestalten und ihn so nutzen, wie er will. Sollten wir es nicht lieber als Chance anerkennen, dass dank sozialer Medien nahezu jeder seine Interessen, Fotos, künstlerische Arbeiten oder schlichtweg seine Meinung äußern und darüber mit Menschen aus der ganzen Welt in Kontakt treten kann? Dass wir die Chance haben, uns selbst verwirklichen und ausdrücken zu können? Ich habe vor ein paar Wochen in einem Podcast von zwei deutschen Bloggerinnen eine Konversation gehört, die mich zum Nachdenken angeregt hat, weil eine der beiden (die ich übrigens sehr mag und schätze – also kein hate 😉 ) sich über genau dieses Thema aufgeregt hat, dass sich viele Leute als Influencer bezeichnen und sich so verhalten, obwohl sie sehr wenige Follower haben und schlechten Content liefern. Ich habe lange über diese Aussage nachgedacht und muss sagen, dass ich hingegen Verständnis dafür habe, dass so viele Leute einen Blog betreiben oder Fotos von ihrem Style, ihrer neu eingerichteten Wohnung oder wovon auch immer posten, denn soziale Netzwerke bieten einfach die Möglichkeit, sich ein Stück weit selber zu verwirklichen. Natürlich ist Social Media eine reine Selbstdarstellung und häufig hat das auch nicht viel mit der Realität zu tun, aber who cares? Wer sagt denn, dass ein Instagram-Feed dazu da ist, das eigene Leben möglichst wahrheitsgetreu abzuzeichnen? Warum sollte man denn Fotos posten, die zwar der Realität entsprechen, aber ästhetisch nicht ansprechend sind? Natürlich muss man differenzieren zwischen Realität und Inszenierung und eine gewisse Authetizität ist sicherlich wünschenswert. Und ja, auch ich bin manchmal beruhigt, wenn Xenia Overdose in ihrer Story mal wieder ein Foto gepostet hat, auf dem sie ihre vermeintliche Unperfektion zeigt, weil sie die Augen zu hat. Aber viele Instagram-Feeds sind für mich einfach ein inspirierendes Portfolio, in dem die Bilder cool inszeniert und aufeinander abgestimmt sind, auch wenn der Feed eher einer künstlerischen Arbeit als der realitätsgetreuen Abbildung des Lebens ähnelt. Und das Thema mit der Selbstdarstellung ist ja sowieso so eine Sache. Ob man jetzt auf Instagram&Co aktiv ist oder nicht – Selbstdarstellung geschieht auch offline. Das ganze Leben ist quasi eine Darstellung des Selbst. Angefangen bei der Kleidung, über die Wohnungseinrichtung, den Umgang mit Mitmenschen, den Besuch im Lieblingscafé oder dem Wocheneinkauf im Supermarkt. Menschen stellen sich dar und verkörpern immer irgendetwas. Warum räumen wir auf oder kaufen bestimmte Dinge ein bevor Besuch kommt? Warum kleiden wir uns? Warum sind wir freundlich zu nervigen Kollegen? Warum richten wir unsere Wohnung ein? – schlichtweg, weil wir etwas darstellen wollen. Jetzt werden einige sagen, dass es aber auch Menschen gibt, denen das nicht wichtig ist. Menschen, die sich nicht nach Trends kleiden und die gute alte Jeans mit dem gleichen Kaputzenpulli fünf Jahre tragen. Menschen, die sich wenn sie studieren gehen, nicht das ganze Zimmer mit weißen IKEA-Möbeln einrichten, sondern die von Oma mitnehmen. Aber auch das ist eine Art der Selbstdarstellung. Auch, wenn man sich dafür entscheidet, sich nicht nach modernen Trends zu kleiden, nicht auf eine abgestimmte Wohnungseinrichtung zu achten, sich nicht das neue Auto zu kaufen, sondern weiterhin Fahrrad zu fahren oder anstelle eines trendigen Macha Latte die gute alte heiße Schokolade zu bestellen, stellt man etwas dar und positioniert sich in der Modewelt bzw. der Gesellschaft. Selbstdarstellung ist die Grundlage für Kommunikation und es kann sich niemand davon freisprechen. Also hört auf zu haten und schießt lieber noch ein Selfie mit eurem neuen iPhone X 😉

Peace out 🙂

 

 

Ein Kommentar zu „Influencer – über Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung und warum das alle uncool finden.

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